Neue Technologien - Neue Gestaltungsmöglichkeiten? Politische Technikgestaltung in der Nanotechnologiepolitik

Petra Schaper-Rinkel

Posterpräsentation auf der ersten Konferenz des „Netzwerks TA“: „Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung“, 24. - 26. November 2004, Berlin


Abstract

Die Wahrnehmung der Welt als fragil resultiert auch aus der Ambivalenz technischer Entwicklung. Statt eines eindeutigen Fortschrittsoptimismus oder -pessimismus wird technische Entwicklung heute in ihrer Widersprüchlichkeit von Chancen einerseits und Risiken andererseits gesehen. Dadurch ist die Politik mit widersprüchlichen Anforderungen konfrontiert, einerseits die technische Entwicklung zu beschleunigen und anderseits die Risiken, die mit den Technologien verbunden sind, zu vermeiden. Die Technikfolgen-Abschätzung kann dabei maßgeblich dazu beitragen, Innovationspfade sichtbar zu machen, in deren Rahmen sich Risiken vermindern lassen und die die Möglichkeit bieten, die technische Entwicklung an gesellschaftlichen Zielen auszurichten (z. B. Nachhaltigkeit). TA schafft damit die Grundlagen von gesellschaftlicher Technikreflexion und politischer Technikgestaltung.

Inwieweit Möglichkeiten der politischen Technikgestaltung gesehen werden, hängt auch von der zugrundeliegenden Auffassung von staatlichem Handeln ab. Wird staatliche Handlungsfähigkeit als hierarchisch übergeordneter Prozess aufgefasst, erscheinen die Gestaltungsmöglichkeiten gering. Wenn jedoch die vielfältigen Entscheidungsprozesse und Institutionen in den Blick genommen werden, die technologiepolitische Strategien und Innovationspfade ausmachen, so werden Gestaltungsoptionen sichtbar.

In der Nanotechnologie ist die Ambivalenz der Technikentwicklung stark ausgeprägt. Dies zeigt sich in öffentlichen Diskursen, in denen Horrorvisionen (selbstreplizierender Nano-Roboter, die alles Leben auf der Erde vernichten könnten) mit Zukunftsvorstellungen eines Nanozeitalters konkurrieren, in dem Armut und Mangel mit Hilfe der Nanotechnologie überwunden werden. Zugleich erhöht die Entwicklung einer zukünftigen Schlüssel- und Querschnittstechnologie wie der Nanotechnologie die Gestaltungsmöglichkeiten: Mit einem neuen technologiepolitischen Handlungsfeld können neue oder modifizierte technologiepolitische Instrumente eingesetzt werden und neue Netzwerkstrukturen und Institutionen aufgebaut werden. Damit steigt die Chance, Zielen und Leitbildern Geltung zu verschaffen, nach denen die Technologieentwicklung gesellschaftlich ausgerichtet werden soll.

In dem Beitrag soll am Beispiel der Konstituierung einer Nanotechnologiepolitik in Deutschland gezeigt werden, wie sich technikbezogene Entscheidungsprozesse im Zusammenspiel von Technikfolgenabschätzung, Leitbildentwicklung, Netzwerkgestaltung (Akteure und ihre Interaktionsformen) und spezifischen technologiepolitischen Instrumenten herausbilden und wo Gestaltungsoptionen festzustellen sind.


Kontakt

Dr. Petra Schaper-Rinkel
Freie Universität Berlin
Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften
Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
DFG-Projekt "Politik der Nanotechnologie"
Ihnestr. 22
14195 Berlin
E-Mail: psr@zedat.fu-berlin.de
Internet: http://www.nanotechnologiepolitik.de



Erstellt am: 21.10.2004 - Kommentare an: webmaster@itas.fzk.de

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