Sonja Schmidt
Posterpräsentation auf der ersten Konferenz des Netzwerks TA: Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung, 24. - 26. November 2004, Berlin
Das Poster basiert auf einer (noch nicht ganz abgeschlossenen) Dissertation am Lehrstuhl Stoffstrommanagement des Instituts für Umweltsystemforschung an der Universität Osnabrück über die Ökologische und ökonomische Bewertung der Bioabfallentsorgung. Es ist jedoch nicht Ziel des Posters, Ökobilanzergebnisse vorzustellen, sondern die Eignung der Ökobilanz als Unterstützung von Entscheidungsprozessen im Rahmen des öffentlichen Handelns zu diskutieren.
Die Ökobilanz, ursprünglich entwickelt für die ökologische Bewertung von Produkten, hat ihr Anwendungsgebiet ausgedehnt und schließt die Bewertung von Dienstleistungen und komplexen Systemen, z.B. für die Abfallentsorgung, ein. Ökobilanzen weisen eine Reihe von Vorteilen auf. Sie sind international anerkannt und in Form einer ISO Norm standardisiert. Damit sind der Ablauf und die Inhalte einzelner Arbeitsschritte weltweit einheitlich. Ökobilanzen haben sich als Bewertungsverfahren etabliert. Das Prinzip, die Ermittlung, Klassifizierung und Verknüpfung von Stoffströmen mit einer funktionellen Einheit, ist unkompliziert, eindeutig und für vergleichende Bewertungen geeignet. Der Nachteil, dass Ökobilanzen keine standortbezogenen Umweltwirkungen ermitteln, sondern lediglich potentielle Umweltwirkungen abschätzen, ist dann ein Vorteil, wenn Entscheidungen absehbare Entwicklungen oder Handlungsoptionen in der Zukunft betreffen. Erwartet werden daher von gesellschaftlicher Seite meist möglichst objektive, eindeutige Resultate mit nachvollziehbaren Begründungen für Handlungsempfehlungen.
Wenn Technikbewertungen aber über die Bewertung der Umweltwirkungen hinausgehen, ist die ökozentrische Orientierung der Ökobilanz von Nachteil. Zwar können ökonomische Kenngrößen konzeptionell einfach in Ökobilanzen integriert werden, jedoch existieren ebenfalls wie bei anderen Bewertungsmethoden Grenzen in der Aggregation von Kriterien und Zusammenfassung von Ergebnissen. Schwierig sind auf Seiten der Bearbeiter neben den grundsätzlichen Anforderungen an Bewertungen - Objektivität, Transparenz, Validität und Reliabilität - vor allem die Festlegung von Systemgrenzen vor und während der Bearbeitung sowie die Ergebnisauswertung und -darstellung. Auf Seiten der Forschung wird intensiv an der Berücksichtigung und Reduktion von Unsicherheiten gearbeitet. Dabei werden verschiedene Arten von Unsicherheiten unterschieden, jedoch beziehen sich Vorschläge von Arbeitsgruppen der SETAC (Society of Environmental Toxicology and Chemistry) für die Behandlung von Unsicherheiten auf Parameterunsicherheit und empfehlen in erster Linie mathematische Instrumente. Eine frühe Einbindung von Akteuren in den Bearbeitungsprozess stellt hier grundsätzlich eine weitere Lösung dar. Einfach umzusetzen ist dies allerdings nur dann, wenn direkte Adressaten oder Nutzer vorhanden sind. Forschungsergebnisse, wie, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Erfolg solche partizipativen bzw. prozessorientierten Ökobilanzen erstellt werden, sind jedoch rar, obwohl sie dringend erforderlich sind.
Dip.-Ing. Sonja Schmidt
Universität Osnabrück
Institut für Umweltsystemforschung (USF)
Lehrstuhl Stoffstrommanagement
Albrechtstraße 28
49076 Osnabrück
Tel.: +49 (0) 541 - 969 - 2429
Fax: +49 (0) 541 - 969 - 2770
E-Mail:
sschmidt@usf.uni-osnabrueck.de
Internet:
http://www.usf.uni-osnabrueck.de/
Bitte beachten Sie, dass diese Internetseite nicht weiter gepflegt wird. Für aktuelle Inhalte besuchen Sie bitte www.itas.kit.edu.