Mahshid Sotoudeh, Susanne Schidler
Posterpräsentation auf der ersten Konferenz des Netzwerks TA: Technik in einer fragilen Welt. Die Rolle der Technikfolgenabschätzung, 24. - 26. November 2004, Berlin
In diesem Beitrag wird Information als eine kritische Größe für die Wechselwirkungen zwischen Technikfolgen-Abschätzung und Technikentwicklung diskutiert. Eines der Ziele der Technikfolgen-Abschätzung ist die Verbesserung des Informationsstandes über die Folgen von Technologien, um einen geeigneten Umgang mit gesellschaftlich relevanten Technologien zu unterstützen. Ein prominentes Problem mit der Erfüllung dieses Zieles wurde von Croy (1996) beschrieben. In der Anfangphase einer Entwicklung sind die Möglichkeiten zu einer Veränderungen groß, während viele Folgen der Technologien noch nicht bekannt sind. Z.B. wäre es zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit einem wesentlich geringerem Aufwand möglich gewesen, Mechanismen von Automobilmotoren zu verändern, wenn die negativen Umweltauswirkungen des Benzinmotors bekannt gewesen wären. In den letzten Jahrzehnten hingegen, wäre eine Veränderung der etablierten Benzin- und Dieselmotoren mit erheblichen politischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten verbunden gewesen, obwohl das Wissen über Schadstoffemissionen und die negativen Folgen dieser Technologie fortgeschritten waren.
Tabelle 1: Collindrige Dilemma für Technologiepolitik
| In der frühen Phase der Entwicklung | Nach der Etablierung der Technologie | |
| Informationsstand über Technikfolgen | gering | hoch |
| Möglichkeiten für die Veränderungen in der Technologieentwicklung | hoch | gering |
Auf den ersten Blick könnte dieses Dilemma durch eine Steigerung der Effizienz bei der Informationserhebung und eine Verbesserung von Qualität und Brauchbarkeit vorhandener Informationen gelöst werden. Allerdings wird durch Erhebung, Sammlung und Analyse bzw. zwangläufige Selektion der Informationen in der expertenorientierten TA oder durch intensiven Informationsaustausch mit und zwischen den beteiligten Akteure in der partizipativen TA der Informationsfluss im Technikentwicklungssystem durch die Technikfolgen-Abschätzung stark beeinflusst. Dies kann nicht nur zu positiven sondern auch zu negativen Veränderungen der Gestaltungsmöglichkeiten für die Technologien führen. Es stellt sich daher die Frage, wie die kritische Größe Information in der TA behandelt wird und welche Methoden zur optimalen Nutzung der erhöhten Informationsdynamik vorhanden sind.
In einem Beispiel wird eine ITA-Studie über die Chancen und Risken für Membrantechnologie in der Produktionsindustrie und den Informationsfluss für die Technologieentwicklung erläutert. (Sotoudeh, Mihalyi et al. 2000; Sotoudeh and Mihalyi 2004) Schließlich wird der Einfluss der Technikfolgen-Abschätzung auf den Informationsfluss in der Technologieentwicklung diskutiert.
Croy, M. J. (1996):
Collingridge and the control of educational computer technology. PHIL & TECH 1(3-4 spring).
Sotoudeh, M.; Mihalyi, B. (2004):
Manufactures' response to the needs of users of integrated membrane technology. Journal of Cleaner Production: 9.
Sotoudeh, M.; Mihalyi, B. et al. (2000):
Bewertung des Durchsetzungspotentials und der Wirtschaftlichkeit vorsorgender Umwelttechnologien, zwei Fallbeispiele. BMLFUW. Wien, ITA.
Mahshid Sotoudeh, Susanne Schidler
Institut für Technikfolgen-Abschätzung ITA / ÖAW
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