Netzwerk TA

Technology Assessment in der Weltgesellschaft
NTA2 - Zweite Konferenz des „Netzwerks TA“

22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums

Dr. Georg Aichholzer

E-Government als globales Projekt: divergente Entwicklungsmuster und Wirkungsbefunde

Abstract zum Vortrag
Freitag, 24. November 2006, Sektion 1 „Globale Technik“, 09:40 Uhr

E-Government kann als Paradebeispiel weit reichender technisch-organisatorischer Innovationsbestrebungen gelten, die binnen einer Dekade weltumspannend zur Diffusion gelangten. Als Leitbild für die Modernisierung von Staat und Verwaltung schließt es grundsätzlich alle Bereiche staatlicher Funktionen und Institutionen ein. Dazu gehört, Kommunikation und Leistungen innerhalb und zwischen staatlichen Einrichtungen, ebenso wie in den externen Beziehungen zu BürgerInnen, Unternehmen und sonstigen Organisationen auf elektronische Medien umzustellen. In 94% der UN-Mitgliedsstaaten finden sich zumindest Ansätze von e-Government; internationale Organisationen wie die UNO, OECD oder Weltbank widmen sich der Analyse und Förderung von e-Government.

Der Beitrag untersucht zum einen Entwicklungsmuster im Zuge der globalen Ausbreitung unter dem Gesichtspunkt der Ausrichtung auf grundsätzliche Ziele wie Verwaltungsrationalisierung, Effizienzsteigerung, Transparenz und Demokratisierung. Methodische Basis bilden vor allem Literaturanalysen ergänzt durch Auswertung exemplarischer Strategiedokumente und technisch-organisatorischer Konzepte. Es wird die These vertreten, dass bei Dominanz eines technokratischen Modells von e-Government in jüngerer Zeit ein bürger- und partizipationsorientiertes an Boden gewinnt.

Zum anderen liegt der Schwerpunkt auf Sichtung von Befunden zur Wirkungsabschätzung der bisherigen Implementierung auf globaler Ebene, wobei organisatorische, soziale, ökonomische, und demokratiepolitische Aspekte im Vordergrund stehen. Empirische Grundlage bilden Literaturanalysen, zum Teil weltweite Surveys und nationale Fallstudien. Konzepte und Ansätze zu umfassenden Folgenabschätzungen befinden sich gegenüber projekt- bzw. landesspezifischen Ergebnissen zu einzelnen Anwendungen von e-Government noch in den Kinderschuhen. Erste internationale Ergebnisse verweisen teils auf Auswirkungen von bloß inkrementeller Natur. Fortschritten in Form von verbesserter Dienstleistungsqualität, -produktivität und organisatorischem Wandel stehen auch Defizite bei Sicherheitsgarantien und allgemeiner Zugänglichkeit gegenüber. Demokratiepolitisch positive Effekte sind eher umstritten. Für vielfältige Formen von Nutzen für die Verwaltung ebenso wie für ihre KlientInnen finden sich zahlreiche Beispiele unter Einschluss positiver wirtschaftlicher Effekte. Der Nachweis eines finanziellen Netto-Nutzens für die Verwaltung steht noch aus. Eine wesentliche Voraussetzung ist die Kombination mit organisatorischer Innovation, wie etwa in Österreich im Falle der Anpassung von Bearbeitungs- und Prüfprozessen bei „FinanzOnline“. Zu positiven Auswirkungen zählen hier zum Teil erheblich beschleunigte Verfahren, verbesserte Dienstleistungsqualität, geringerer administrativer Aufwand, Einsparungen von Ressourcen bzw. Kosten und die Sicherung von Einnahmen. Quantifizierbare Beispiele sind etwa geschätzte jährliche Ressourceneinsparungen durch FinanzOnline im Ausmaß von rund 381 Personenjahren oder um 15 % kürzere Durchlaufzeiten von elektronischen Akten in der Bundesverwaltung. Zugleich finden sich in den Fallstudien und Nutzungsdaten auch Hinweise auf eine Reihe von Herausforderungen wie den Abbau des bestehenden „Digital Divide“, Wahrung des Schutzes der Privatsphäre und die Bewältigung von Anpassungsproblemen beim Wandel von Organisations- und Arbeitsstrukturen.



Erstellt am: 18.10.2006 - Kommentare an: mailwebmaster

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