Netzwerk TA

Technology Assessment in der Weltgesellschaft
NTA2 - Zweite Konferenz des „Netzwerks TA“

22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums

Gotthard Bechmann

TA als Ethik im Globalisierungsprozess ? - Anmerkungen zum Normativen in der Weltgesellschaft

Abstract zum Vortrag
Donnerstag, 23. November 2006, Sektion 3 „TA in der Globalen Welt“, 14:10 Uhr

Der fortschreitende Globalisierungsprozess betrifft nicht nur die ökonomischen Strukturen oder die internationalen Finanzmärkte, sondern im zunehmenden Maße werden auch die weltweiten ökologischen und technologischen Interdependenzen bewusst. Die Verunreinigung der natürlichen Umwelt, die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, das ungebremste Wachstum der Erdbevölkerung und die beschleunigte Technisierung der Gesellschaft verweisen auf globale Problemlagen hin, die nur noch durch internationale Regulierungen zu bearbeiten sind. Bei der Bewältigung dieser schwer lösbaren Probleme wird zunehmend Hoffnung auf eine noch zu entwickelnde globale „Ethik“ gesetzt. Unklar bleibt, was damit eigentlich gemeint ist. Auf den ersten Blick jedoch sieht man, dass die akademische Ethik dabei nicht viel hilft, ja auch kaum gefragt ist. Weiß man doch, dass weder eine transzendentale Ethik noch eine Wertethik noch eine utilitaristische Ethik von ihren Prinzipien oder Maximen her zu Entscheidungen oder Regulierungen kommen können. Darüber hinaus fehlt es bei einer globalen Ethik an einer Instanz der Umsetzung von ethischen Empfehlungen in Recht.

Der Vortrag gliedert sich in drei Abschnitte: Ausgehend vom dem systemtheoretischen Konzept der Weltgesellschaft wird versucht, die relevanten Mechanismen der Gobalisierungsprozesse zu beschreiben, in dem davon ausgegangen wird, dass die Weltgesellschaft durch den Primat der funktionalen Differenzierung gekennzeichnet ist und dass sich weder ihre wirtschaftliche Entwicklung, noch das sich herausbildende globale Mediensystem noch die Wissenschafts- und Technologieentwicklung normativ kontrollieren lassen.

Danach wird der Begriff der Ethik aus dem Blickwinkel der europäischen Tradition interpretiert, dabei macht es wenig Sinn, auf den Ethos-Begriff der aristotelischen Tradition zurückzugehen. Stattdessen wird gezeigt, dass sich hinter dem Ruf nach einer Weltethik (Küng) das ungelöste Problem der Bildung normativer Strukturen in der Weltgesellschaft verbirgt.

Statt länger eine nicht explizierbare Ethik zu fordern, wird drittens vorgeschlagen, mit dem Konzept der „Global Knowledge Governance“, die Herausbildung eines sich weltweit konstituierenden Regel- und Institutionssystems zu analysieren, mit dessen Hilfe versucht wird, am Beispiel der gesellschaftlichen Folgeprobleme globaler medizinischer Anwendung humangenetischer Forschung, universell gültige normative Standards zu finden, in dem sich transnationalstaatliche Kooperationsformen, Verhandlungsprozesse und Produktionsweisen wissenschaftliches Wissen zu Regulations- und Regimestrukturen verbinden.



Erstellt am: 18.10.2006 - Kommentare an: mailwebmaster

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