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Technology Assessment in der Weltgesellschaft
22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums
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Prof. Dr. Karsten Weber
Abstract zum Vortrag
Freitag, 24. November 2006,
Sektion 1 Globale Technik, 11:30 Uhr
Die Schließung des Digital Divide wird oft als Weg zur Lösung so unterschiedlicher gesellschaftlicher Probleme wie Arbeitslosigkeit, fehlendes wirtschaftliches Wachstum, Defizite des Bildungswesens, mangelnde Berufsqualifikation, Politikverdrossenheit oder fehlendes Bürgerengagement angesehen, wobei sich diese Liste sicher noch beliebig verlängern ließe. Auf globaler Ebene stellt sich die Diskussion ähnlich dar: der Analphabetismus wird bekämpft, die allgemeine Armut behoben, die schwächelnde Weltwirtschaft angekurbelt, die weltweite Demokratisierung vorangetrieben, den Menschenrechten zur Geltung verholfen usw.; hier ist die Agenda ebenfalls beliebig erweiterbar. Im Grunde wird jedes ökonomische, rechtliche, politische, soziale oder moralische Desiderat als durch die Schließung der digitalen Spaltung lösbar deklariert.
Hier manifestiert sich ein sozio-technischer Determinismus, der unterstellt, dass die Innovation, Implementierung und Nutzung von Technologie notwendig zur Lösung der sozialen Probleme einer Gesellschaft oder gar der Menschheit führen wird oder zumindest die Basis sozialer und politischer Veränderungen darstellt. So waren die 1960er und 70er Jahre geprägt durch die Idee, dass Technik und Planung letztlich alle oder doch alle wichtigen sozialen Phänomene lösen könne. Dies ist jedoch nach dem Entstehen von weltweiten ökologischen Bewegungen und ebenso orientierten Parteien unverständlich; auch deshalb, weil die 1970er und 80er Jahre mehr als eine große technisch induzierte Katastrophe gesehen haben und die Veröffentlichung der Studie und des Buchs "Die Grenzen des Wachstums" deutlich aufgezeigt hat, dass der immense Verbrauch an natürlichen Ressourcen durch eine ungehemmt wachsende Wirtschaft (und Bevölkerung) ihr natürliches Ende finden wird.
Obwohl in der öffentlichen Debatte diese einfache oder zumindest vereinfachende Sicht existiert, erweist sie sich bei genauer Betrachtung in Bezug auf die Schließung der digitalen Spaltung als völlig inadäquat; dies gilt ebenso für die oft wiederholte These, dass Technikverwendung und Diffusion zunehmend globale Phänomene seien. Dies stimmt nur in einem sehr trivialen Sinne: Technik ist prinzipiell überall verfügbar. Ihr erfolgreicher Einsatz aber hängt von lokalen Bedingungen ab.Diese Hypothese soll anhand des Beispiels von Projekten zur Schließung des Digital Divide überprüft und bestätigt werden. Es lässt sich nämlich an Beispielen, die jener globalen und technikdeterministischen Sichtweise verpflichtet waren / sind, aufzeigen, dass Versuche der digitalen Spaltung ohne Einbeziehung der lokalen Betroffenen scheitern müssen.
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