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Technology Assessment in der Weltgesellschaft
22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums
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Dr. Michael Latzer
Abstract zum Vortrag
Donnerstag, 23. November 2006,
Sektion 2 Globale Politik, 14:10 Uhr
Nach einer langen Phase der Kontinuität werden Ende des 20. Jahrhunderts die traditionellen Ordnungsmodelle und Akteurskonstellationen von Medien- und Telekommunikationssektoren weltweit brüchig. In einem ko-evolutiven Prozess verändern sich Technik, Ökonomie und Politik. Als zentrale Antriebskräfte dieses Wandels werden v. a. die miteinander verknüpften Trends Globalisierung, Liberalisierung, Digitalisierung und Konvergenz diskutiert. Gesellschaftliche Kommunikationssysteme verändern sich auf gemeinsamer digitaler Basis in konvergente Mediamatik-Systeme, in denen die traditionellen Grenzen zwischen (Massen) Medien und Telematik (der bereits zuvor erfolgten Verknüfung von Telekommunikation und Informatik) verschwimmen. Eine weltweite Liberalisierungswelle in den vormals national abgeschotteten Medien- und Telekommunikationsmärkten fördert die ökonomische Globalisierung in als auch außerhalb der Mediamatik-Sektoren. Genauer betrachtet handelt es sich aber um eine Glokalisierung im Mediamatikbereich, da zunehmend global agierende Akteure ihre Strategien an den jeweils lokalen Räumen und Gegebenheiten ausrichten. Dies gilt sowohl für TV-Firmen (Bsp. MTV) als auch Internet-Unternehmen (Bsp. Google).
Für die TA stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Steuerungsfähigkeit im Allgemeinen und auf Steuerungsmodelle, Instrumente und Akteure im Speziellen haben - wo und wie TA in glokalen Mediamatik-Sektoren ansetzen kann. Zur Beantwortung dieser Fragen werden im vorgeschlagenen Beitrag Politikveränderungen in glokalen Mediamatik-Sektoren systematisch herausgearbeitet.
Als Forschungsperspektive dienen institutionentheoretische Governance-Ansätze, die den traditionellen Fokus auf Government, auf staatliche Command&Control Regulierungen, sowohl horizontal als auch vertikal erweitern. Die horizontale Erweiterung dient der Miteinbeziehung der privaten Steuerungsakteure (z. B. Selbstregulierung) in die Analyse, die vertikale Erweiterung schärft den Blick für das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen der Regulierung (Multilevel-Governance), der internationalen, supranationalen (europäischen), nationalen, regionalen und lokalen Ebene.
In den traditionellen Ordnungsmodellen der weitgehend getrennten Medien- und Telekommunikationspolitik spielte der Staat jeweils die zentrale, starke Rolle, nicht nur als Regulator, sondern auch als Unternehmer. In liberalisierten, konvergenten und glokalen Mediamatik-Sektoren zeichnet sich in groben Zügen ein neues Ordnungsmodell ab. Im Beitrag wird analysiert, inwieweit sich die relevanten politischen Räume und die Akteurskonstellationen, beziehungsweise die Rolle der traditionell dominanten Akteure verändert. Es wird argumentiert, dass es zu einem Bedeutungsverlust des Nationalstaates (und seiner Akteure) als politischer Raum kommt, dies jedoch nicht nur auf Kosten weiterer Räume wie der Europäischen Union und der Welt, sondern auch auf Kosten von engeren Räumen (Regionen und Kommunen). Gleichzeitig nimmt die Bedeutung privater Akteure auf den verschiedenen Regulierungsebenen zu, während die Steuerbarkeit aufgrund steigender Komplexität sinkt.
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