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Technology Assessment in der Weltgesellschaft
22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums
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Dr. Andreas Lösch
Abstract zum Vortrag
Donnerstag, 23. November 2006,
Sektion 3 TA in der Globalen Welt, 17:20 Uhr
In der öffentlichen Wissenschaftskommunikation über Nanotechnologie und Converging Technologies spielen futuristische Visionen (Grunwald 2004; Coenen 2004) - bspw. von medizinischen U-Booten im Körper oder der Verbesserung der menschlichen Konstitution - eine große Rolle. Diskussionen futuristischer Visionen in den Massenmedien prägen die Wahrnehmung dieser Technologien, ihrer Chancen und Risiken in der interessierten Öffentlichkeit - und somit auch bei (Forschungs-)Politikern und potentiellen Investoren. Futuristische Visionen können damit Verständigungsprozesse und Entscheidungen beeinflussen, die die Zukunft dieser Technologien, ihre gesellschaftliche Implementierung und Regulierung betreffen. So betrachtet, sind futuristische Visionen Medien der Kommunikation über und der Verbreitung von Zukunftstechnologien. Dementsprechend wird im TA-Bericht Nanotechnologie des TAB (Paschen et al. 2004) sowie in der Konzeption des Vision Assessments zur Nanotechnologie von Armin Grunwald (2004; 2006) die Notwendigkeit einer kritischen Analyse und die Entwicklung von geeigneten Formen des kommunikativen Umgangs mit futuristischen Visionen eingefordert.
Die US-Forschungspolitik bedient sich als Mittel zur Kommunikation der Potentiale von Nanotechnologie und Converging Technologies futuristischer Visionen aus der Science Fiction Literatur bzw. entwickelt solche Visionen selbst (z. B. NBIC 2002). Entsprechende Gremien der EU und des BMBF setzen dagegen zur Vermittlung der Potentiale dieser Technologien auf Formen sachlicher und pädagogischer Aufklärung sowie auf Szenariokonzepte (z. B. Road Mapping, Extro- und Retropolation), die zukünftige Nutzungsmöglichkeiten von Nanotechnologien und Converging Technologies durch die Antizipation von Kontinuitäten und Diskontinuitäten gesellschaftlich-technischer Entwicklungen kontextualisieren (z. B. CTEKS 2004; BMBF 2004). Medien der Wissenschaftskommunikation sind hier eher Modelle der Zukunftsantizipation, wie sie im Unternehmensbereich zur Planungs- und Entscheidungsorientierung eingesetzt werden (vgl. z. B. Siemens-Pictures of the Future 2001ff).
Auffällig ist jedoch, dass die öffentliche Wissenschaftskommunikation von Nanotechnologien und Converging Technologies in den Massenmedien bis heute durch die globalisierten futuristischen Visionen dominiert wird, die durch die US-Forschungspolitik und Science Fiction Literatur popularisiert werden. Die oben skizzierten europäischen und nationalen Vermittlungsmodelle scheinen in den Massenmedien eine untergeordnete Rolle zu spielen (als Fallstudie zur Medialität von Nanoroboter-Visionen vgl. Lösch 2006).
Vor diesem Hintergrund und ausgehend von einer empirischen Fallstudie diskutiert mein Vortrag neue Möglichkeiten und die Relevanz der TA als gestaltendem Beobachter in öffentlichen Wissenschaftskommunikationen:
Im Fall der Abschätzung, Bewertung und Steuerung des Einflusses globalisierter futuristischer Visionen - so die zentrale These - besteht die vorrangige Aufgabe der TA nicht mehr in der Erarbeitung von an Institutionen der nationalen oder europäischen Politik adressierten Handlungsempfehlungen. Vielmehr ist der direkte Einsatz der TA innerhalb der öffentlichen Wissenschaftskommunikation gefragt. TA müsste als gestaltender Beobachter in die öffentlichen Kommunikationsprozesse eintreten, indem sie zugleich Ermöglichungen und Verunmöglichungen von denkbaren gesellschaftlichen Implikationen der Nanotechnologie (und Converging Technologies) durch das Medium Vision transparent - somit beurteilbar, verhandelbar und entscheidbar - macht.
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