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Technology Assessment in der Weltgesellschaft
22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums
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Oliver Parodi
Abstract zum Vortrag
Donnerstag, 23. November 2006,
Sektion 1 Globale Technik, 16:40 Uhr
Ausgehend von der Frage nach dem Besonderen an globaler Technik wird erörtert, ob und inwiefern ethische und kulturwissenschaftliche Betrachtungen Beiträge zu einer gelingenden Folgenabschätzung globaler Technik leisten können. Dabei wird deutlich, dass gerade die Kombination beider Perspektiven für ein Gelingen wesentlich ist.
Lassen technikphilosophische und ethische Überlegungen eher graduelle als prinzipielle Unterschiede zwischen globaler und nicht-globaler Technik erkennen, so besteht eine wesentliche Besonderheit globaler Technik im absichtsvollen Wirken über Kulturräume und Kulturgrenzen hinweg.
Dies wirft für TA verschiedene Probleme auf. Beispielsweise steigt mit dem transkulturellen Agieren die Unsicherheit technischen Handelns um die kulturelle Dimension an, damit aber auch die Komplexität einer Abschätzung diesbezüglicher Folgen. Des Weiteren bringen kulturelle Pluralismen grundlegende Fragen nach Universalisierbarkeit und transkultureller Gültigkeit von Aussagen mit sich. (Nach welchen Maßstäben soll abgeschätzt werden? Wie sind diese begründet zu gewinnen? ...)
Ethik kann hier als Disziplin zur Einbindung von Werten in Begründungszusammenhänge und als Kunst des Dialoges und des Abwägens gewinnbringende Beiträge liefern. Zumal Ethik wie wohl kaum eine andere Disziplin im Zuge der Postmoderne-Debatte fundamentaler Kritik unterzogen und angesichts verschiedener Pluralismen hinsichtlich ihrer Begründungen und Legitimation in Frage gestellt wurde und wird. Die Antworten aber, welche in der Ethik auf diese Fragen gefunden wurden, lassen sich auch im (abweichenden) Kontext der Folgenabschätzung globaler Technik gewinnbringend einsetzen.
Kulturwissenschaften nun sind in der Lage, sowohl interkulturelle als auch intrakulturelle Aspekte – welche der Ethik (und der TA) aufgrund ihrer eigenen Kulturbedingtheit in aller Regel verborgen bleiben – wahrzunehmen und für eine rationale TA offen zu legen. Sowohl kulturelle Differenzen als auch kulturelle Prägungen und weltbildhafte Orientierungen können zur Sprache gebracht und einem rationalen Dialog zugänglich gemacht werden.
Zudem lässt sich das Phänomen globale Technik über einen zeitgemäßen Kulturbegriff – der Kultur im Vorliegen von Kollektivität, Kommunikation und Konvention bestimmt – schärfer umreißen. Fasst man globale Technik als kulturelle Hervorbringung, lassen sich beispielsweise folgende Fragen formulieren: Welches Kollektiv bringt diese globale Technik hervor? Wer kommuniziert wie zur Herstellung dieser Technik? Und, welche Konventionen, welche Institutionen begleiten globale Technik? Das gilt sowohl für Institutionen im engen Sinne als auch für Denkgewohnheiten und Weltsichten. Ohne diese Fragen konkret beantworten zu können, weisen sie doch auch hier die Relevanz kulturwissenschaftlicher Überlegungen für TA aus.
Können Kulturwissenschaften im Zuge von TA Beiträge zum Erfassen weltbildhafter Orientierungen und interkultureller Problematiken beisteuern, so kann Ethik Anhaltspunkte und Verfahren zur Beilegung letzter liefern. Darüber hinaus können beide Disziplinen auch helfen, der Reflexionsverpflichtung von TA nachzukommen und Grenzen rationaler TA aufzuzeigen. So lässt sich TA im Rahmen von Technikethik als ein reflexiv-beratender Ansatz unter anderen zur gesellschaftlichen Verständigung über Technik erkennen und damit auch vor einer Überfrachtung und Überbeanspruchung bewahren. Kulturwissenschaftliche Reflexionen auf TA können des Weiteren deren kulturelle Prämissen und Implikationen herausarbeiten, deren Kulturbedingtheit aufzeigen und damit die Grenzen der Rationalität von TA ausweisen – und auszuweiten helfen.
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