Netzwerk TA

Technology Assessment in der Weltgesellschaft
NTA2 - Zweite Konferenz des „Netzwerks TA“

22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums

Dr. Thomas Petermann / Constanze Scherz

Biometrie an den Grenzen – Zur politischen Genese einer globalen Kontrolltechnologie

Abstract zum Vortrag
Freitag, 24. November 2006, Sektion 2 „Globale Politik“, 09:40 Uhr

Weltweit werden intensive Anstrengungen unternommen, Ausweisdokumente und Einreiseverfahren sicherer sowie Grenzkontrollen effektiver zu machen. Biometrische Verfahren sind dabei zum technologischen Herzstück entsprechender Politiken nationaler wie supranationaler politischer Akteure geworden. Das politisch angestrebte und teilweise bereits realisierte Ziel der Etablierung von „smart borders“ kann zu einem großen Teil als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage seit dem 11. September 2001 gesehen werden.

Wie die Entwicklungen in den USA und der EU zeigen, wird der Strategie der biometrischen Modernisierung seitens der Politik große Bedeutung zugemessen: Sie soll nicht nur dem Ziel dienen, Reisedokumente sicherer, Missbräuche bei Asylverfahren zu begrenzen und Grenzkontrollen wirksamer zu machen, sondern auch internationale Reiseströme effizienter zu managen sowie innovationspolitische Impulse für weitere Applikationen zu vermitteln.

Eine Akteursanalyse soll zeigen, dass der augenblicklich erreichte Stand der Durchdringung der Gesellschaft mit biometrischen Technologien kein autodynamischer Prozess der Technisierung war. Wir sind vielmehr konfrontiert mit dem Resultat vor allem eines Gegen- und Miteinanders zweier politischer Großakteure, USA und EU. Beide verfolgten zwar unterschiedliche Strategien und Zeitpläne, in deren Konsequenz wurden letztlich aber zwei – potenziell – passfähige Sicherheitsarchitekturen implementiert. Deren Passfähigkeit – auch in Bezug zum „Rest der Welt“ – ist in technischer Hinsicht von der International Civil Aviation Organization (ICAO) vermittelt worden. Als eine Art „linking agent“ übersetzte sie die z.T. divergierenden politischen (und sicher auch wirtschaftlichen) Ziele der Mitgliedstaaten in technische Normen und Standards. Dabei mussten die technischen Experten zur Kenntnis nehmen, dass einzelne Staaten dem Charme der technologischen Potenziale der Biometrie für ambitionierte sicherheitspolitische Ziele erlegen waren. Die nunmehr angestrebte Ausweitung eines ursprünglichen eher einfachen Konzepts hin zu einer globalen Sicherheitsarchitektur war letztlich Resultat politischer Interessen, die sich in Verhandlungsprozessen im Rahmen der ICAO gegen die technische Rationalität der Experten durchsetzten.



Erstellt am: 18.10.2006 - Kommentare an: mailwebmaster

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