|
Technology Assessment in der Weltgesellschaft
22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums
|
Dr. Petra Schaper-Rinkel
Abstract zum Vortrag
Donnerstag, 23. November 2006,
Sektion 2 Globale Politik, 16:00 Uhr
Die Beschleunigung von Innovationsprozessen ist ein Motor von Globalisierung und damit ein Prozess, der von Regierungen im Wettlauf um internationale Wettbewerbsfähigkeit forciert wird. In diesem Prozess werden erstens Ansätze zur Bewertung, Reflexion und breiten Vermittlung von neuen Technologien - insbesondere TA, aber auch ethische Diskurse und Public Understanding of Science - zu Instrumenten eben dieser Beschleunigung und damit zu einem machtvollen Instrumenten von Technologiepolitik bzw. Innovationspolitik (TA als Instrument staatlicher Technologiepolitik). Zugleich stellen zweitens heterogene Akteure zunehmend Ansprüche an die Technologieentwicklung, formulieren diese in TA-Studien, und werden (partiell) in Governance-Formen der Technologiepolitik integriert (TA als Modus der Vermittlung in der Governance der Nanotechnologie). Drittens beginnt TA zu Schlüsseltechnologien in einem immer früheren Stadium der Technologieentwicklung und formiert so die Technologien mit (TA als Diskurs zur Formierung von Schlüsseltechnologien).
Dies zeigt sich deutlich in der Herausbildung der Nanotechnologiepolitik, die sich als Governance in einer globalen Diskursordnung charakterisieren lässt.
Am Beispiel der Nanotechnologie wird dargestellt, wie TA zu einem zentralen Instrumentarium einer globalen Diskursordnung und damit zu einem Modus der Governance der Nanotechnologie geworden ist. Nanotechnologie hat sich als technologiepolitisches Handlungsfeld von Industriestaaten im Kontext von Globalisierung und globaler digitaler Medien herausgebildet, so dass die Governance der Nanotechnologie stark von einer doppelten Interdependenz gekennzeichnet ist: Nationalstaatliche Politiken entwickeln sich in steter Auseinandersetzung und Reflexion der Entwicklungen in konkurrierenden Staaten und die heterogenen Akteure (staatliche Akteure, Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs) auf dem Feld der Nanotechnologie sind lokal und global miteinander im direkten und indirekten Austausch.
Auf dem unübersichtlichen Feld der Nanotechnologie (dessen Grenzen sich mit steigenden öffentlichen Fördermitteln ausweiten) bilden sich uneinheitliche Governance-Formen heraus, die zu steigenden Ansprüchen an TA führen. Heterogene Akteure aus Wirtschaft, Versicherungswirtschaft, Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und von Umwelt-NGOs stellen Ansprüche an die politische Gestaltung (Förderung und Regulierung) der Nanotechnologie. Ihre Sichtweise und Interessen formulieren sie in TA-Studien bzw. nutzen das methodische Arsenal von TA, um die Notwendigkeit spezifischer Maßnahmen zu fundieren. Damit bildet TA in der Governance der Nanotechnologie den diskursiven Knotenpunkt, der heterogene technische, soziale, und gesellschaftliche Optionen und Diskurse verbindet und verhandelbar macht. TA übersetzt und verbindet Ansprüche aus Wissenschaft, Wirtschaft, Öffentlichkeit und Politik.
webmaster
Bitte beachten Sie, dass diese Internetseite nicht weiter gepflegt wird. Für aktuelle Inhalte besuchen Sie bitte www.itas.kit.edu.