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Technology Assessment in der Weltgesellschaft
NTA2 - Zweite Konferenz des „Netzwerks TA“

22. - 24. November 2006, Berlin, Neue Mälzerei des Umweltforums


First Announcement and Call for Papers

Hintergrund

Technikfolgenabschätzung (TA) und Innovations- und Technikanalyse sind in national oder regional geprägten Umfeldern entwickelt worden. Die Befassung mit Chancen und Risiken neuer Technologien, die Analyse und Bewältigung von Technikkonflikten sowie die Untersuchung von Bedingungen gelingender Innovation und möglichen Hemmnissen haben sich auf den klassischen Ebenen der Technik-, Forschungs- und Innovationspolitik abgespielt. Konsequenterweise waren die Adressaten der TA dann auch nationale Parlamente, Regierungen und Behörden sowie entsprechende Institutionen auf regionaler oder lokaler Ebene.

Dieses Modell, das Technikfolgenforschung und Innovationsanalyse mit der handlungsorientierten Beratung von Institutionen im nationalstaatlichen Rahmen verband, ist in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden und hat sich in den achtziger und neunziger Jahren stabilisiert und in eine Vielzahl verschiedener Forschungs- und Beratungsrichtungen auf den verschiedenen Ebenen differenziert.

Im Zuge der technischen, ökonomischen und zusehends auch politischen Globalisierung, insbesondere nach dem Ende des Kalten Kriegs, haben sich jedoch die Randbedingungen für diese Verortung der TA dramatisch verändert - so jedenfalls die Meinung in den folgenden, häufig zu hörenden Thesen:

  • Technikentstehung findet in weltweiten Netzwerken statt. Beispiele wie Open Source Software, das Human Genome Project oder die Nano(bio)technologie belegen das.
  • Technikverwendung und -diffusion verlaufen zunehmend global; die Einflüsse regionaler „Kulturen“ auf den Umgang mit Technik werden kleiner. Energieversorgungsnetze sind längst über die politischen Grenzen der Nationalstaaten hinaus gewachsen, für Gentests gibt es einen globalen Markt über das WorldWideWeb.
  • Technikfolgen bedürfen der Betrachtung im globalen Kontext. Die Themen Klimawandel, genetische Ressourcen, Energie, Auswirkungen globaler Verkehrs- und Finanzströme auf die soziale Organisation der Güterproduktion lassen nur diese Perspektive zu.
  • In der Regulierung verlagern sich wichtige Entscheidungen auf höher aggregierte Ebenen, z. B. von der nationalen auf die europäische Ebene.
  • Forschung und Technikentwicklung finden heute zu einem großen Teil in den global agierenden Konzernen statt, die sich damit weitgehend der nationalstaatlichen Kontrolle entziehen. Welche Chance hat Regulierung z. B. angesichts der Mobilität von Kapital auf den internationalen Finanzmärkten?
  • Zivilgesellschaftliche Akteure und NGOs haben wachsenden Einfluss gewonnen und müssen in entsprechenden Meinungsbildungsprozessen stärker berücksichtigt werden.

Ziele und Fragestellungen der Konferenz

Wenn diese Thesen (ganz oder teilweise) zutreffen, muss dies Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie TA in der so veränderten und sich weiter verändernden Weltgesellschaft ihre Aufgaben in Forschung und Beratung erfüllen kann. Vor diesem Hintergrund werden folgende Fragen behandelt:

Sektion 1: „Globale“ Technik

Inwieweit hat sich die Technik in Genese und Verwendung verändert. Was macht eine "globale" Technik aus? Wie erweitert sich der Kreis der Akteure in der Technikentwicklung und -produktion? Wie wird man der unterschiedlichen gesellschaftlichen Adaption in verschiedenen kulturellen Kontexten gerecht? Welche Kriterien für "gute" Technik und angemessene Prozesse der Technikgestaltung lassen sich vor dem Hintergrund der Verschiedenheit der Standards und nationalen Rahmenbedingungen noch formulieren?

Sektion 2: „Globale“ Politik

Welche Konsequenzen hat dies für die Frage nach den Adressaten der TA? Wer soll in einer zunehmend global organisierten Welt beraten werden? Welche Entscheidungsprozesse muss die TA in den Blick nehmen, um wirkungsvoll arbeiten zu können? Wer ist auf der globalen Ebene in der Lage Technik zu gestalten und welche Governance-modelle sind mit diesem Anspruch verbunden? Oder ist es nicht doch so, dass die "klassischen" Adressaten der TA wie nationale Parlamente und Regierungen weiterhin wichtig bleiben und vielleicht nur "anderer" Beratung bedürfen?

Sektion 3: TA in der „globalen Welt“

Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen hin zu einer Weltgesellschaft für die klassischen Methodenfelder der TA. Wenn die Weltgesellschaft neue Adressaten mit sich bringt oder neue Pfade der Technikentwicklung generiert, dann können damit Verschiebungen in der „TA-Toolbox“ verbunden sein. Gibt es neue (globale) Kooperationsverhältnisse und Arbeitsformen, mit denen TA in einer globalisierten Welt operieren kann? Wie lassen sich partizipative Verfahren auf einer europäischen oder globalen Ebene umsetzen, vor allem vor dem Hintergrund, dass zivilgesellschaftliche Akteure und NGO`s einen wachsenden Einfluss gewonnen haben und im Meinungsbildungsprozess stärker zu berücksichtigen sind. Führt die globale Perspektive zu einer Stärkung der Experten-TA, weil sich hier leichter „grenzüberschreitend gültige“ Aussagen machen lassen oder bewirkt die Diversität der beteiligten Wissenschaftskulturen das Gegenteil?


Auf der Konferenz sollen diese Fragen zum einen auf der konzeptionellen Ebene und zum anderen anhand von konkreten Fallstudien behandelt werden. Die Fallstudien sollen sowohl „best“ oder „good practices“ darstellen als auch Beispiele liefern, wie durch die Entwicklungen hin zu einer Weltgesellschaft vertraute Kontexte der TA unter Veränderungsdruck geraten.

Folgende Technikbereiche bieten sich in erster Linie für eine Betrachtung im globalen Kontext an:

  • Informations- und Kommunikationstechnologie
  • Bio- und Gentechnologie
  • Nanotechnologie und die "Converging Technologies"
  • Energietechnologien

Aus denjenigen Bereichen, die bereits auf eine hinreichende geschichtliche Erfahrung zurückblicken können, erhoffen wir uns insbesondere Vorträge, die die Veränderungen hin zu einer Weltgesellschaft und die neuen Anforderungen an TA empirisch aufzeigen können.

Adressaten

Als Referenten und Teilnehmer sind Wissenschaftler und Praktiker aus folgenden Bereichen angesprochen:

  • Technikfolgenabschätzung und angrenzende Felder wie Innovationsforschung, Praktische Ethik oder Innovations- und Technikanalyse;
  • für das Thema der Konferenz einschlägige wissenschaftliche Disziplinen (Natur- und Technikwissenschaften einerseits, Sozial- und Kulturwissenschaften andererseits);
  • Politik und Wirtschaft;
  • Zivilgesellschaft (z. B. (global agierende) Nichtregierungsorganisationen).

Call for Papers

Die Konferenz besteht aus eingeladenen Vorträgen, eingereichten Vorträgen und einer Postersektion. Die Konferenzsprachen sind deutsch und englisch.

Abstracts (max. 500 Worte) mit Angabe der Adressdaten des/der Referenten sowie der vorgesehenen Sektion (Fachsektionen 1 bis 3 nach oben genannter Aufstellung oder (Nachwuchs-)Postersession) können elektronisch an folgende Adresse geschickt werden: E-Mail anNTA2@itas.fzk.de

Letzter Termin zur Einreichung von Vorschlägen ist der 9. Juni 2006.
Die Einreichungsfrist wurde bis zum 7. Juli 2006 verlängert.

Mitteilung über die Annahme bis Ende Juli.

TA-Nachwuchsförderung

Die Konferenz hat sich zum Ziel gesetzt, den wissenschaftlichen Nachwuchs besonders zu fördern und führt deshalb eine Postersession mit jungen Wissenschaftlern (Diplomanden, Doktoranden) durch, die auf dem Gebiet der Technikfolgenabschätzung oder zum Thema der Konferenz arbeiten.

Doktorandinnen und Doktoranden sowie Jungwissenschaftlern (bis zu 5 Jahre nach der Promotion) werden Konferenzstipendien gewährt (Reise- und Übernachtungskosten). Für die Beantragung eines solchen Stipendiums senden Sie bitte gemeinsam mit dem Abstract (s. Call for papers) ein kurzes Motivationsschreiben so wie einen Lebenslauf ein.

Das „Netzwerk TA“

Das Netzwerk TA ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Experten im Themenfeld „Technikfolgenabschätzung“. Das Netzwerk dient dem Ziel, Informationen auszutauschen, gemeinsame Forschungs- und Beratungsaufgaben zu identifizieren, methodische Entwicklungen zu initiieren und zu begleiten sowie den Stellenwert der TA in Wissenschaft und Gesellschaft auszubauen. Gleichzeitig dient das Netzwerk als Plattform für gemeinsame Kooperationen und Aktionen. Die Adresse des „Netzwerk TA“ im Web lautet http://www.netzwerk-ta.net



Erstellt am: 11.04.2006 - Letzte Änderung: 20.06.2006 - Kommentare an: mailwebmaster

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