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Der Systemblick auf Innovation – Technikfolgenabschätzung in der Technikgestaltung
24. - 26. November 2010, Berlin, Neue Mälzerei
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Donnerstag, 25. November 2010, 9:00 Uhr Dr. Stefan Böschen (WZU, Universität Augsburg) Innovations-Risiko-Politik, Herausforderungen für die Systematisierung von Wissen Aufgrund der forcierten Entwicklungsdynamik von Innovationen bei gleichzeitiger Orientierung an einer Vorsorgestrategie stellen sich für die gesellschaftliche Einbettung von Innovationen und deren Reflexion durch TA besondere Herausforderungen. Denn diese Entwicklung ist gekennzeichnet durch eine wachsende Diversität der innovationsrelevanten Wissensgrundlagen bei einer gleichzeitigen Entkopplung von vordefinierten Kontexten. Entsprechend entstehen Probleme der Autorisierung von Wissen zur gesellschaftlichen Einbettung der Innovationen, weil die Suchhorizonte, Relevanzräume und Entscheidungskriterien ausgehandelt werden müssen. Eine Innovations-Risiko-Politik, welche der Innovationsförderung wie Risikovorsorge gerecht werden möchte, bedarf deshalb eines erhöhten Wissensbedarfs hinsichtlich der Entscheidbarkeit ohne direkt auf übergeordnetes, autoritatives Wissen zurückgreifen zu können. Vielmehr muss dieses Wissen im Prozess der Entfaltung eines Innovationsregimes selbst erzeugt und reflexiv autorisiert werden. Für solche Verbindungen verschiedener Wissensperspektiven gibt es im Diskurs der Technikfolgenabschätzung schon Vorläufer wie das Constructive Technology Assessment oder gegenwärtig Ideen zu einer Anticipatory Governance. Hierbei wird das Problem der Verbindung dieser beiden Wissensperspektiven - Innovations- und Reflexionswissen - analytisch wie politisch fruchtbar zu machen versucht. Jedoch, so meine These, wird dabei die Unterschiedlichkeit der Wissenspraktiken und der in ihnen verkörperten Formen der Evidenzgenese wie Autorisierung von Wissen analytisch zu wenig berücksichtigt. Dadurch werden wesentliche Chancen der Innovationsgestaltung vergeben, weil eine reflexive Bezugnahme zwischen Innovations- und Reflexionswissen und den damit verbundenen kulturellen, sozialen und rechtlichen Einbettungsbedingungen nicht vertieft wird. Neben diesem funktionalen Argument ergibt sich noch ein methodisches und demokratiepolitisches. Der besondere Ansatzpunkt von TA ist es, das Wissen über noch unerkannte Folgen zu erweitern. Da durch den engen Kontextbezug hier immer auch Wertentscheidungen in die Wissensentwicklung einfließen scheint es wichtig zu sein, die Varianz der Methoden zu erfassen und darin die Wertgebundenheit zu reflektieren und in einer Weise transparent zu machen, dass neue Entscheidungsoptionen für die gesellschaftliche Einbettung von Innovationen entwickelt werden können. Hier kommt also ein demokratiepolitisches Moment hinein. TA kann durch die Reflexion auf Kriterien der Entscheidbarkeit über Innovationen zu einer Erweiterung demokratischer Entscheidungsspielräume beitragen. Denn der Charakter von Innovationen macht es erforderlich, die Chancen zur demokratischen Einbettung von Innovationen zu verbessern. Im Vortrag werden Innovations- und Reflexionskulturen aus dem Bereich der Chemie (Blick Nanotechnologie) vorgestellt, die sich dabei ergebenden Konstellationen der Autorisierung von Wissen diskutiert und daraus einige allgemeine Schlussfolgerungen zu Chancen und Grenzen der Gestaltung von Technik durch Innovations-Risikopolitik abgeleitet.
Donnerstag, 25. November 2010, 09:30 Uhr Dr. Christian Büscher (ITAS, KIT Karlsruhe) "Systemische Risiken" oder "Mechanismen systematischer Risikoproduktion"? Diskutiert werden sollen neue Konzepte interdisziplinärer Risikoforschung, hier von einem Standpunkt der Soziologie, um Anschlüsse an andere Disziplinen aufzuzeigen. Ausgangspunkt ist eine Zurückweisung üblicher Erwartungen, sozialwissenschaftliche Beiträge wären allenfalls in Fragen der Risikoakzeptanz oder der Risikokommunikation zu sehen. Vielmehr soll aufgezeigt werden, wie die Analyse von Prozessen der Risikoproduktion eine neue Perspektive für die Technikfolgenabschätzung bieten kann, die zugleich neue methodische Herausforderungen mit sich bringt. Zunächst hatte die OECD in dem Report "Emerging Risks in the 21st Century" auf die Gefahr einer Abhängigkeit der modernen Gesellschaft von kritischen Infrastrukturen hingewiesen. Daran anschließend haben Forscher den Begriff der "Systemischen Risiken" an Merkmalen der Komplexität, Unsicherheit, Ambiguität und Entgrenzung möglicher Schäden als eine neue Form von Risiken charakterisiert. Oftmals verbleibt es bei dieser enumerativen Vorgehensweise, die den Kern systemischer Risiken verfehlt. Nehmen wir Argumente aus der Organisationsforschung (LaPorte, Perrow, Sagan), der Ökonomie (Krugman) oder der Klimaforschung (Schellnhuber et al., Lovelock) zu Hilfe, dann ergibt sich ein tiefer greifendes Verständnis für die zugrunde liegende Problemstellung. (1) Perrow hat das Argument der Komplexität technischer Systeme auf die Beschreibung linearer/nicht-linearer Interaktionen von Elementen und die lose/enge Kopplung von unterschiedlichen Komponenten zu- gespitzt. Abläufe bestimmter Hoch-Technologien müssen auf einem engen Raum verdichtet und durch ein "Containment" von der Außenwelt abgeschirmt werden, um ihre geplanten Zwecke zu erfüllen. Viele Bei-spiele haben in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass die kausale Schließung nicht immer gewährleistet werden kann, und Operateure von nicht-linearen Abläufen überrascht werden, die zudem aufgrund einer engen Kopplung von Teilkomponenten sofort auf das ganze System durchschlagen und die Integrität des Gesamtsystems (zer-) stören können. (2) In der Ökonomie wird die Rationalität finanzwirtschaftlicher Mittel als notwendige Risikoübernahme diskutiert, die gleichzeitig schlecht zu kalkulierende Gefahren mit sich bringen: die Selbstverstärkung von "virtious circles" hin zu einer Überhitzung von Märkten und von "vicious circles" hin zu einer Unterkühlung birgt jeweils eigene Gefahren, die der Struktur und den Programmen des Wirtschaftssystems selbst geschuldet sind (und nicht exogenen Variablen), und die das Funktionieren des Systems selbst gefährden. Von diesen und von anderen Beispielen lässt sich lernen. Komplexität, Risikoübernahme und Vernetzung sind in vielerlei Hinsicht Voraussetzung für eine funktionierende Leistungserstellung in technischen und organisatorischen Systemen sowie in Funktionsbereichen der Gesellschaft. Prekär ist eine Entwicklung, wenn Komplexität, Risikoübernahme und Vernetzung eine Schwelle zur Dysfunktionalität überschreiten und die Bedingungen des eigenen Funktionierens gefährden. Das heißt also, dass die Systeme, von denen die Gesellschaft abhängt, selbst für Bedingungen sorgen, die Systemleistungen gefährden: ein Verkehr, der den Transport von Personen und Gütern blockiert; ein System der Krankenbehandlung, das krank macht; eine Finanzwirtschaft, die Investitionen behindert u.a. Der Reiz des Terminus "Systemische Risiken" liegt in der Beschreibung von Systemen, deren Reproduktionsbedingungen und den darin angelegten (Selbst-)Gefährdungspotenzialen. Erst dadurch kann man dem Begriff eine neue Perspektive für die Risikoforschung abgewinnen, nämlich im Sinne einer systematischen Produktion von Risiken und Gefahren, sozusagen im "Normalbetrieb", und in Abgrenzung zu individuell oder okkasionell hervorgerufenen Schadensfällen. Eine solche Perspektive stellt die TA vor eine Neubestimmung des Verhältnisses von globaler Systemanalyse und konkreter Operationalisierung.
Donnerstag, 25. November 2010, 10:00 Uhr Dr. Peter Wiedemann (FZ Jülich / ITAS, KIT Karlsruhe) "Nachhaltigkeitsstrategie und Risiko Management: Zwei Welten"? Es gibt keine risikofreie Welt - so argumentiert Keeney, ein prominenter Vertreter der Entscheidungsforschung (Keeney 1995). Deshalb kommt es darauf an, Risiken bestmöglich zu managen. Mittlerweile hat sich das Risikomanagement zu einem Schlüsselverfahren entwickelt, das praktisch auf alles und jedes Anwendung finden kann (Power 2004). Dem gegenüber steht das Konzept der Nachhaltigkeit, das ein Leitbild für die den Umgang mit der Umwelt, die Entwicklung der Gesellschaft, sowie für die Technikgestaltung vorgibt: "Technologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Fortschritt muss sich am Prinzip der Nachhaltigkeit messen lassen" Wie aber lassen sich diese beiden Ansätze, Risikomanagement und Nachhaltigkeitsstrategie, zusammenbringen? Oder: Was lässt sich zumindest voneinander lernen (Gray & Wiedemann 1999)? Im Vortrag werden drei Themenfelder genauer beleuchtet: (1) Die Differenzen der epistemischen Kulturen der Risiko- und Nachhaltigkeits-Forscher (2) die sich anbahnenden praxeologischen Konvergenzen speziell im Hinblick auf Verfahren der Risikoabschätzung und der Nachhaltigkeitsbewertung sowie (3) Konzepte mit Brückenfunktion wie das Vorsorgeprinzip. Schließlich wird aus entscheidungstheoretischer Sicht herausgearbeitet, wie ein nachhaltiges Risikomanagement zu konfigurieren wäre.
Donnerstag, 25. November 2010, 11:00 Uhr Prof. Dr. Ulrich Dolata (SOWI VI, Uni Stuttgart) "Soziotechnischer Wandel als graduelle Transformation" Neue Technologien können an prominenter Stelle zum Wandel von organisationalen und institutionellen Feldern wie zum Beispiel von Wirtschaftsektoren beitragen. Neue Biotechnologien etwa haben seit Ende der 1970er Jahre substanzielle Veränderungen im Pharmasektor angestoßen. Digitalisierung, Internet und Datenkomprimierungstechnologien bilden seit Anfang dieses Jahrzehnts die technologische Grundlage einschneidender Umbrüche im Musik- und in anderen Mediensektoren. Derartige Prozesse soziotechnischen Wandels zeichnen sich auch dort, wo der technologische Veränderungsdruck gravierend ist, nicht durch einmalige und eruptive soziotechnische Brüche aus, die schnell in eine neue Phase der Stabilität mit dann eher marginalen weiteren Anpassungen münden. Sie werden in aller Regel auch nicht geprägt durch die Sprengung, den Zusammenbruch oder einen radikalen Austausch der bestehenden Technologien, Strukturen, Institutionen und Akteure. Typisch sind vielmehr längere, ein bis zwei Jahrzehnte anhaltende Phasen der Diskontinuität und Readjustierung, in denen sich ein Sektor (oder ein anderer gesellschaftlicher Bereich) über eine Vielzahl von Veränderungen - der Leitorientierungen und des technologischen Profils, der Märkte, Organisationsstrukturen und Akteurfigurationen, der Interaktionsmuster, Industriestrukturen und Institutionen - sukzessive auf ein neues dominantes soziotechnisches Design zubewegt. Diesen vielschrittigen, oft erratischen und nichtlinearen Prozess soziotechnischer Neujustierung, der sich erst über die Zeit zu substanziellen sektoralen Neuausrichtungen verdichtet, bezeichne ich in Anlehnung an die Arbeiten von Kathleen Thelen und Wolfgang Streeck als graduelle Transformation. Wie sich solche Prozesse sukzessiven, im Ergebnis gleichwohl oft radikalen soziotechnischen Wandels konzeptionell fassen und welche typischen Varianten gradueller Transformation sich voneinander unterscheiden lassen soll das Thema meines Vortrags sein.
Donnerstag, 25. November 2010, 11:30 Uhr Dr. Martin Schiefelbusch (nexus / ZTG, TU Berlin) "Das Reiseerleben als Herausforderung der Verkehrsforschung und -planung" Die Verkehrswissenschaft hat sich bisher nur wenig mit der Wahrnehmung des Unterwegsseins durch die Reisenden und ihren Einflüssen auf das Mobilitätsverhalten befasst. Neuere Arbeiten insbesondere aus der sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung zeigen jedoch, dass Mobilität neben der reinen Ortsveränderung zahlreiche weitere Facetten - etwa psychologische, physiologische und soziale Aspekte - aufweist. Während diese Untersuchungen auf der analytischen Ebene zahlreiche Erkenntnisse geliefert haben, ist es bisher noch nicht gelungen, diese in den verkehrswissenschaftlichen Kontext zu überführen und etwa planerische Verfahren und Instrumente zu entwickeln, mit denen diese im weitesten Sinne "emotionalen" Bedürfnisse berücksichtigt werden können. Die Folgen dieser interdisziplinären Unterschiede werden in einem intermodalen Vergleich von öffentlichem Verkehr und MIV besonders deutlich: Öffentliche Verkehrsangebote werden zu einem größeren Anteil im Voraus geplant und von den Verkehrsunternehmen für die Reisenden erstellt. Im MIV bestehen dagegen aus Sicht der Verkehrsteilnehmer deutlich mehr Möglichkeiten, die Fortbewegung selbst mitzugestalten. Dadurch können auch viele "emotionale" Bedürfnisse besser angesprochen und befriedigt werden. Ziel der dem Vortrag zugrundeliegenden Arbeit war es, das Themenfeld "Reiseerleben" - als pragmatischer Oberbegriff für die Gesamtheit emotionaler Angebotsmerkmale - zu strukturieren und Handlungsempfehlungen für den planerischen Umgang mit diesem Bereich zu entwickeln. Zur Integration des Reiseerlebens in die Angebotsgestaltung des ÖV wurden 24 "Gestaltungsbereiche" definiert. Konkrete Maßnahmen, sogenannte "Reiseerlebnisangebote", sprechen mindestens einen, oft aber mehrere dieser Gestaltungsbereiche in unterschiedlichsten Kombinationen an. Für Vergleich und Analyse solcher Angebote wurde ein Bewertungsverfahren entwickelt, das eine Beurteilung aus mehreren Perspektiven erlaubt. Damit wird der reisende Mensch als Subjekt aus einer neuen - erweiterten - Perspektive betrachtet. Ausgehend von einem breiten Spektrum methodischer Ansätze und Anforderungen zielt das Verfahren zunächst auf ein für die Praxis handhabbares Vorgehen. Im Detail bietet es noch zahlreiche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und stellt neue Anforderungen an verkehrswissenschaftliche Datengrundlagen. Das Thema greift verschiedene der im Tagungskonzept beschriebenen Fragen auf und kann als Beispiel eines Versuchs angesehen werden, konkrete Fragen der Gestaltung technischer Systeme (hier des öffentlichen Verkehrs) nicht allein aus einer (etablierten) technischen Sicht zu betrachten, sondern die individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen dabei ebenso zu berücksichtigen. Es ließe sich der Sektion 1 (mit Bezug auf das Verkehrssystem) oder 3 (aus methodischer Sicht) zuordnen. Entsprechend könnte der Schwerpunkt der Darstellung gewählt werden.
Donnerstag, 25. November 2010, 12:00 Uhr Jens Schippl (ITAS, KIT Karlsruhe) "Etablierte Mobilitätsmuster - eine Umsetzungshürde für Elektromobilität?" Beispiele aus verschiedenen Technikfeldern zeigen, dass sich technologische und gesellschaftliche Entwicklungen gegenseitig beeinflussen. Heutige Mobilitätsmuster werden durch moderne Technik-Infrastruktur Kombinationen erst ermöglicht. Gleichzeitig sind die mit den etablierten Mobilitätsroutinen verbundenen Nachfragemuster zentrale Treiber für technologische und organisatorische Innovationen. Die Gestaltung von Technik-Infrastruktur Kombinationen scheint, bis zu einem gewissen Grad, gesellschaftlichen Leitbildern oder Paradigmen zu folgen, wie sich am Beispiel des Stadtverkehrs zeigen lässt: In den 60'er Jahren galt das Planungsleitbild oder Paradigma der autogerechten Stadt, das weitgehend "erfolgreich" umgesetzt wurde. In den 80'er Jahren wurde das Thema Liberalisierung zu einem leitenden Paradigma. Inzwischen dominiert "Nachhaltigkeit" als Leitbild die Entwicklung urbaner Räume und viele Beispiele zeigen, wie sich dieses Leitbild materialisieren kann. So wird deutlich: Mobilitätsmuster sind nicht starr, sondern verändern sich im Wechselspiel mit Technik-Infrastruktur Systemen und gesellschaftlich-politischen Leitbildern oder Paradigmen. Davon ausgehend soll nun am Beispiel E-Mobility die Frage diskutiert werden, inwieweit sich neue technische Entwicklungen den etablierten Mobilitätsmustern anpassen müssen, oder ob man nicht davon ausgehen sollte, dass sich Mobilitätsmuster neuen technischen "Settings" zumindest bis zu einem gewissen Grad anpassen werden. Die Entwicklung der Elektromobilität bietet hier ein besonders interessantes Beispiel, da sich aufgrund einiger technischer Charakteristika abzeichnet, dass eine stärkere Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen nicht möglich sein wird ohne die in Industrieländern wie Deutschland habitualisierten Mobilitätsmuster zu verändern. So werden Elektrofahrzeuge, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, eine deutlich geringe Reichweite und längere Ladezeiten als herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren aufweisen. Innovative Geschäftsmodelle, die beispielsweise von Car-Sharing Konzepten ausgehen, können helfen, alternative Antriebe den aktuellen Mobilitätsmustern anzunähern (für jeden Fahrzweck kann individuelle Mobilität bereit gestellt werden; für Langstrecken nimmt man einen Diesel, für Kurzstrecken ein Elektrofahrzeug) und gleichzeitig die Mobilitätsmuster den technischen Möglichkeiten anzunähern (Auflösung des bisher engen Zusammenhangs zwischen individueller Mobilität und Autobesitz). Wie könnte ein Forschungsansatz aussehen, der solche Fragen (empirisch fundiert) ausleuchtet?
Donnerstag, 25. November 2010, 14:00 Uhr Dr. Walter Peissl (ITA, ÖAW Wien) "Datenschutz als Designmerkmal - Vorschläge zur Technikgestaltung am Beispiel von TA-Forschungen zur Privatsphäre in der Informatikgesellschaft" Fast alle Lebensbereiche sind mittlerweile durch "Informatisierung" geprägt. Durch die nahezu ubiquitären Datensammlungen kommen jedoch die Grundrechte auf Privatsphäre und Datenschutz zunehmend in Bedrängnis. Verstärkt wird diese Entwicklung durch politische Vorgaben, die der Sicherheitspolitik Vorrang einräumen sowie auch durch veränderte Verhaltensweisen der NutzerInnen selbst, wie etwa die so genannten Web-2.0-Anwendungen zeigen. Parallel zu diesen Entwicklungen bleibt die Tatsache bestehen, dass in Europa durch die einschlägigen Richtlinien und deren nationalstaatliche Umsetzungen ein theoretisch hohes Datenschutzniveau besteht. Dieses kann aber oft nicht durchgesetzt werden, weil Datenschutzbehörden in vielen Fällen mit zu wenigen Ressourcen ausgestattet sind. Das bedeutet, dass ein hoher rechtlicher Schutzzaun für die Grundrechte auf Privatsphäre und Datenschutz zwar unabdingbar, allerdings in vielen Bereichen nicht ausreichend ist, um die Privatsphäre in der Informationsgesellschaft aufrechtzuerhalten. Neben den notwendigen Awareness-Maßnahmen, der Schulung von (zukünftigen) NutzerInnen für einen bewussten Umgang mit personenbezogenen Daten und neuen Governance-Ansätzen der Selbstregulierung, ist es insbesondere die Technik selbst, die einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann. Deshalb werden von TechnikerInnen, DatenschützerInnen und auch SozialwissenschafterInnen zunehmend Instrumente vorgeschlagen, die eine effektive Verbesserung des Datenschutzniveaus gewährleisten sollen. Dazu zählen Ansätze wie "Privacy by Design", die Förderung von Privacy Enhancing Technologies ebenso wie Aktivitäten der Selbstregulierung, die etwa durch europäische Datenschutzgütesiegel angestoßen werden. Den oben angeführten Ansätzen ist gemein, dass sie pro-aktiv eine möglichst frühzeitige Einbettung von datenschutzrelevanten Merkmalen in den Technikentstehungsprozess befördern wollen. Dies ist umso bedeutender, als die frühe Integration von Datenschutzfunktionen in den Technikentstehungsprozess die dafür aufzuwendenden Zusatzkosten gering halten kann. Dem steht die bisher weit verbreitete Meinung entgegen, dass Investitionen in den Datenschutz teuer seien und die Wettbewerbssituation von Unternehmen verschlechtern würden. Die auf das Gesamtsystem gerichtete Technikfolgenabschätzung versucht hier, Mittler zwischen den Welten zu sein und akzeptable Lösungen anzubieten, die eine grundrechtskonforme Gestaltung von IT-Systemen vorsehen und Verständnis für datenschutzkonforme oder Privatheit fördernde Innovationen bei allen Beteiligten zu schaffen in der Lage sind. TechnikerInnen und kaufmännisch Verantwortliche müssen oft erst davon überzeugt werden, dass Datenschutz nicht ein kostenintensives Add-On darstellt, sondern vielmehr ein Qualitätsmerkmal ist, mit dem man sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann; und politische Entscheidungsträger können darauf aufmerksam gemacht werden, dass Sicherheit und Privatsphäre nicht notwendigerweise ein Nullsummenspiel darstellen. Die Diskussion um privatheitsfördernde IT-Systeme erscheint geradezu als Paradebeispiel für Innovationen, die zwar in der ex-ante-Analyse gesellschaftlich wünschenswerte Veränderungen mit sich bringen können, die dennoch in den bestehenden Systemen auf hohe Umsetzungshürden stoßen. In diesem Beitrag wird auf diese Umsetzungshürden eingegangen und einige der aktuellen Entwicklungen dargestellt. Die Ergebnisse von aktuellen Forschungsprojekten dazu werden präsentiert, d.h. Instrumente werden vorgestellt, die in bestehenden Systemen den Transformationsprozess hin zu einer datenschutzfreundlicheren Technikgestaltung erleichtern. Beispiele dafür sind etwa ein Bewertungsinstrument, das die datenschutzfreundliche Gestaltung von (Sicherheits-)Technologien ermöglicht und einige Erkenntnisse aus der Einführungsphase eines Gütesiegels mit dessen Hilfe die Selbst-Regulierung im Bereich Privacy gefördert werden soll.
Donnerstag, 25. November 2010, 14:30 Uhr Prof. Dr. Regine Kollek (FSP BIOGUM, Uni Hamburg) "Biobanken als techno-normative Systeme" Humanbiobanken sind Sammlungen menschlicher Körpersubstanzen, die mit personenbezogenen und anderen Daten der Spender verbunden sind. Im Zuge der Entwicklung von Patientenrechten einerseits und wissenschaftlich-technischen Entwicklungen im Bereich der Genomforschung andererseits sind solche Sammlungen zu hybriden Einrichtungen geworden, die nicht nur verschiedenen Anforderungen an Probengewinnung und Management gerecht werden müssen, sondern auch rechtlichen und ethischen Normen zum Schutz von Spenderinteressen genügen müssen. In diesem Sinne sind es "techno-normative" Systeme. Die Frage ist, wie die normativen Ansprüche strukturell und organisatorisch integriert werden (können). In dem Beitrag sollen Ergebnisse einer empirischen Systemanalyse von neun deutschen Biobanken vorgestellt und Schlussfolgerungen für die ethische Bewertung und Regulierung von Biobanken gezogen werden.
Donnerstag, 25. November 2010, 15:00 Uhr Dr. Georg Aichholzer, Stefan Strauß (ITA, ÖAW Wien) "Staatliches Identitätsmanagement als Systeminnovation - Ein tragfähiger Ansatz zur Gestaltungs- und Folgenanalyse" Unser Beitrag zielt darauf ab, die Wirkungszusammenhänge des Innovationsprozesses zur Einführung nationaler Systeme für elektronisches Identitätsmanagement (eIDMS) näher zu beleuchten. Wir stützen uns dabei auf den integrativen theoretischen Rahmen von Geels et al. (2004), um den Einführungsprozess des eIDMS in Österreich und dessen Gestaltungsergebnisse unter einer Systeminnovations-Perspektive empirisch zu analysieren. Zahlreiche öffentliche Verwaltungen in Europa führen nationale eIDMS ein. Die Systeme weisen zwar einige Gemeinsamkeiten auf, sind jedoch sehr unterschiedlich ausgeprägt - sowohl bezüglich ihrer Entwicklungsstadien als auch hinsichtlich ihrer Ausgestaltung und Funktionalität. Die Kontextfaktoren dieses komplexen Innovationsprozesses sind vielschichtig: Mit zahlreichen unterschiedlichen Anforderungen, teils kontroversen Zielen und der Vielzahl unterschiedlicher Akteure ist die implizierte Transformation von traditionellen zu elektronisch gestützten Identifizierungsmechanismen mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Eine wesentliche Triebfeder dieser Entwicklung ist der Bedarf, bestehende Abläufe zur Identifizierung und Authentifizierung von Bürger/innen im Kontakt mit öffentlichen Verwaltungen an die veränderten Bedingungen elektronischer Interaktionsräume anzupassen. Schlüsselakteure kommen aus dem Umfeld des E-Government und erwarten sich vor allem mehr Sicherheit und Effizienz von Verwaltungsabläufen sowie gesteigerte Nutzungszahlen bei elektronischen Verwaltungsdiensten. Die Transition von analogen (papiergestützten) Identifizierungsformen hin zu einem elektronischen System mit vielfältigen Anwendungsbereichen in allen Verwaltungsebenen bedeutet einen grundlegenden sozio-technischen Systemwandel. Dieser umschließt neben sozialen, organisationalen und technischen Dimensionen noch zahlreiche weitere Komponenten (Artefakte, Wissen, Regulierung, Infrastruktur, kulturelle Bedeutung, Märkte) und weist deutliche Züge eine Systeminnovation auf. Systeminnovationen sind ko-evolutionäre, systemische Innovationen "im großen Stil", die einen Wandel in der Erfüllung wesentlicher gesellschaftlicher Funktionen implizieren. Die Einführung von eIDMS betrifft die Funktion der Identifizierung von Personen in der Interaktion zwischen Bürger/innen und staatlichen Institutionen und damit vor allem bestimmte technische Mittel und soziale Praktiken. Der Ansatz der Systeminnovation geht u.a. von vorhandenen Mängeln und Schwächen bestehender Techniken aus, die einen Bedarf nach funktionalen Verbesserungen und Erweiterungen auslösen, der sich in größeren Zeitspannen und Aushandlungsprozessen verschiedener Akteure, unterschiedlicher sozialer Gruppen und technologischer Substitution widerspiegelt. Der sozio-technische Wandel lässt sich in vier Phasen unterteilen: Beginnend in einer technologischen Nische, hin zu technischer Spezialisierung in Nischen und Erschließung neuer Funktionalitäten, über zunehmende Durchdringung und Wettbewerb mit dem etablierten "Regime", bis zu dessen gradueller Ablösung und weiterer Transformation. Mittels einer Kombination verschiedener Methoden, insbesondere Interviews mit Kernakteuren und Dokumentenanalyse, erschloss der Systeminnovations-Ansatz eine fruchtbare analytische Perspektive für eine Fallstudie der eIDMS-Einführung in Österreich. Wie sich zeigt, hat die Transition ein Stadium erreicht, das als (möglicher) Übergang von einer reinen Nischentechnologie zu einer Spezialisierung in mehreren Nischen charakterisiert werden kann, d.h. u.a.: Implementierung von Kernkomponenten, Anwendungen in Nischen, Erschließung neuer Funktionalitäten, graduelle Diffusion und Wettbewerb mit eingesetzten anderen Identitätsmanagementkonzepten. Im Wechselspiel des Einflusses von Akteurkonstellationen und institutionellen Rahmenbedingungen prägten Verbesserung von Datenschutz und Sicherheit elektronischer Transaktionen als wesentliche Ziele den Innovationsprozess ganz entscheidend. Geringe Nutzung und ungelöste Problemfelder hinsichtlich potenzieller Bedrohungen der Privatsphäre deuten allerdings auf eine unausgewogene Umsetzung der Innovationsziele hin. Auch in Bezug auf die Realisierung von Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen im Einklang mit institutionalisierten Mechanismen und Verwaltungsabläufen sind Spannungen sichtbar. Trotz nationaler Unterschiede sind die Nutzungsdefizite in vielen anderen Ländern ähnlich. Darin spiegelt sich auch das Spannungsverhältnis innerhalb eines sozio-technischem Systems, das mit einem deutlichen Wandel einer gesellschaftlichen Funktion konfrontiert ist. Als ein Gewinn der Systeminnovations-Perspektive erweist sich nicht nur die Identifizierung von Wechselwirkungen im Transitionsprozess zum eIDMS. Unter dem Gesichtspunkt von Innovationsfolgen verweist sie auch auf spezifische Adaptierungsbedarfe ab einer bestimmten Entwicklungsphase der Systeminnovation selbst.
Donnerstag, 25. November 2010, 16:00 Uhr Dr. Ruth Klüser, Dr. Stephan Lingner (Europäische Akademie, Bad Neuenahr-Ahrweiler) "Neue Strukturen im Energiebereich - neue Herausforderungen für elektrische Hochspannungsnetze" Energieversorgungssysteme sind zentrale Elemente für die verlässliche Bereitstellung von Strom und Wärme in modernen Gesellschaften. Im Elektrizitätsbereich sind stabile Stromverteilungs- und -versorgungsnetze Voraussetzung für die Erfüllung dieser Aufgabe. Die hierfür notwendige Stabilität von Elektrizitätsnetzen ist aber nicht immer gegeben, da sie für bestimmte Lastaufgaben und Randbedingungen ausgelegt sind. Änderungen dieser Parameter durch umweltseitig motivierte technische, betriebliche oder regulative Innovationen können ggf. die Störanfälligkeiten elektrischer Netze erhöhen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die beobachtbare Häufung von Stromausfällen - auch in Europa - weist in diese Richtung. Die Folgen derartiger Stromausfälle können signifikante wirtschaftliche Schäden sowie Beeinträchtigungen und Gefährdungen des privaten und öffentlichen Lebens in den betroffenen Regionen nach sich ziehen. Die aktuellen Herausforderungen für die elektrischen Energieversorgungsysteme in Europa lassen sich folgendermaßen spezifizieren: Unter diesen Bedingungen können "gut gemeinte" aber unkoordinierte Eingriffe in etablierte Systeme der Stromerzeugung und -verteilung inakzeptable Energieversorgungsrisiken für die Gesellschaft bergen. Historisch gewachsene elektrische Netze sind in diesem Sinne gefestigte Systeme, die als natürliche Monopole Umsetzungshürden für technische und nicht-technische Energieinnovationen darstellen. Zu Ihrer Überwindung sind insbesondere die Teilziele Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit der Stromversorgung in Einklang zu bringen, um eine hinreichende Einbettung neuer Energietechnologien in den gesellschaftlichen Kontext zu gewährleisten. Entsprechende Systembetrachtungen, die technische, ökonomische und rechtliche Aspekte integrieren, waren Aufgabe einer mittlerweile abgeschlossenen Akademiestudie zum Thema. Im Beitrag für die Konferenz soll ein Überblick über die Resultate gegeben werden, die u.a. zur künftigen Sicherung der Versorgungsqualität mit Strom, zu Fragen der weiteren Ausgestaltung der Anreizregulierung in der Elektrizitätswirtschaft und zur gerechten Beteiligung der Netznutzer an den Mehrkosten für einen zukunftssicheren Netzbetrieb- und -ausbau Stellung nehmen.
Donnerstag, 25. November 2010, 16:30 Uhr Sönke Stührmann, Prof. Dr. Armin von Gleich, Dr. Stefan Gößling-Reisemann (FG Technikgestaltung und Technologieentwicklung, Uni Bremen) "Mit dem Leitkonzept Resilienz auf dem Weg zu resilienteren Energieinfrastrukturen" Energieinfrastrukturen - besonders im Bereich der elektrischen Energieversorgung - befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. So galt die zentralisierte Erzeugung von Energie, möglichst nah am Ort des Verbrauchs gelegen, über Jahrzehnte als eines der wesentlichsten Grundprinzipien in der elektrischen Energieversorgung. Mit der erfolgreichen Einführung des EEG im April 2000 verstärkte sich der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit ein Paradigmenwechsels - hin zu einer dezentralen Energieversorgung. Die Abkehr von zentralen Funktionsprinzipien, und als Gründe der globale Wandel, Maßnahmen zu Klimaschutz und -anpassung und die Liberalisierung des Strommarktes führen in Unternehmen der Energiewirtschaft zu großen Unsicherheiten hinsichtlich der Aufrechterhaltung des sicheren Betriebs. Die Unsicherheiten erschöpfen sich jedoch nicht in der Unsicherheit dessen, was uns im Rahmen des Klimawandels, etc. erwartet. Unsicher ist auch, wie eine adäquate Antwort bzw. besser eine adäquate Vorbereitung auf turbulenter werdende Rahmenbedingungen (also z. B. auch eine rationale und vorsorgeorientierte Klimaanpassungsstrategie) aussehen könnte bzw. sollte. Die Antwort auf die Frage, wie viele Belastungen und Störungen komplexe Systeme 'verkraften' können, hängt stark vom Systemzustand und der Systemarchitektur ab. Für die Fähigkeit, Belastungen und Störungen auszugleichen bzw. zu assimilieren steht in der Ökosystemtheorie der von Holling (1973) geprägte Begriff der Resilienz. Ökosysteme sind in der Lage, auch unter sich rasch verändernden (turbulenten) Rahmenbedingungen ihre wesentlichen Systemleistungen aufrecht zu erhalten. Nach diesem Vorbild eines erfolgreichen Umgangs mit Unsicherheiten sollen auch sozioökologische, soziotechnische, ökonomische und soziale Systeme resilienter gestaltet werden. Im Projekt "nordwest2050 - Perspektiven für klimaangepasste Innovationsprozesse in der Metropolregion Bremen-Oldenburg" fungiert Resilienz als Leitkonzept aus dem bereichsspezifische Gestaltungleitbilder abgeleitet werden, wobei mit folgender Resilienz Definition gearbeitet wird: Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Systems, seine Dienstleistungen auch unter Stress und in turbulenten Umgebungen (trotz massiver äußerer Störungen und interner Ausfälle) Aufrecht zu erhalten. Diese Definition lehnt sich eng an eine von Brand vorgestellte Definition an, die sich zwar noch stark auf Ökosysteme bezieht und dabei aber schon viele Anregungen aus den bisherigen Debatten über Nachhaltigkeit aufnimmt. Aufgrund der bestehenden Unsicherheiten in Klimamodellen und der Komplexität der betrachteten Systeme wird ein Zugang über das Leitkonzept Resilienz und die Entwicklung entsprechender Gestaltungsleitbilder (für verschiedene Technologiepfade) gewählt. Die Unterscheidung in Leitkonzept und Gestaltungsleitbild ermöglicht es einerseits einen dynamischen, flexiblen und adaptiven Stabilitätsbegriff auf einer Metaebene zu verwenden. Gleichzeitig ermöglicht es andererseits in der Kooperation mit Unternehmen konkrete und ansprechende Gestaltungsleitbilder auf einer gemeinsamen theoretischen Grundlage und mit einer gemeinsamen Zielperspektive zu entwickeln. Zentrale Elemente des Leitkonzepts 'Resiliente Systeme' sind:
Aufbauend auf diesen Elementen lässt sich das Gestaltungsleitbild ‚Resiliente Energiesysteme' noch weiter explizieren. Es gilt Sektor übergreifend (Gas. Wärme, Strom, ...) Schnittstellen zu schaffen, z.B. im Bereich der Speichertechnologien, die mit verschiedenen Kapazitäten und verschiedenen Funktionsprinzipien (z.B. Batteriespeicher, Druckluftspeicher, etc.), in ausreichender Menge jederzeit in das Netz zu integrieren sind. Dazu bedarf es auch einer neuen Struktur der Verteilung und Informationsweitergabe. Die Ideen knüpfen an die Forschungsergebnisse im Bereich der Energy Hubs2. Im Beitrag werden vertieft die folgenden Punkte angesprochen: Der Bericht stützt sich auf die Arbeiten der AG Theorie im Projekt nordwest2050.
Donnerstag, 25. November 2010, 17:00 Uhr Dr. Michael Ornetzeder, Petra Wächter (ITA, ÖAW Wien), Prof. Dr. Harald Rohracher, Anna Schreuer (IFZ, TU Graz), Dr. Matthias Weber, Dr. Klaus Kubeczko, Manfred Paier, Dr. Markus Knoflacher (AIT, Wien), Dr. Philipp Späth (IFP, Uni Freiburg) "Sozio-technische Szenarien und Kernhandlungsfelder für ein nachhaltiges Energie-system in Österreich" Es besteht kein Zweifel daran, dass sich die Art und Weise, wie Energie erzeugt und verbraucht wird, in den kommenden Jahrzehnten radikal verändern muss. Eine derart grundlegende Transformation des Energiesystems erfordert einen komplexen gesellschaftlichen Gestaltungs- und Lernprozess, der eine Vielzahl von Akteuren und mehrere Ebenen der Transformation umfasst. Die dazu notwendigen Systeminnovationen verlangen nach einem koordinierten Zusammenspiel von Technologien, Institutionen, sozialen Praktiken und kulturellen Wertvorstellungen. Darüber hinaus sind auch die meist kurzfristigeren Interessen und Strategien zentraler Akteure entsprechend zu berücksichtigen. Für die politische und gesellschaftliche Gestaltung eines solchen Prozesses bedarf es der Entwicklung geteilter Zielvorstellungen über die mögliche Zukunft des Energiesektors sowie der Analyse und ständigen Anpassung der Entwicklungsschritte hin zu diesen Zielen. Foresight oder Szenariostudien über die zukünftige Entwicklung des Energiesystems sind im Allgemeinen sehr stark ‚output'-orientiert, d. h. ihr Schwerpunkt liegt besonders im Bereich der Quantifizierung des Energiebedarfs und anderer Parameter bei Eintreffen bestimmter Entwicklungen (business-as-usual, forcierte Einsparung etc.). Komplementär und aufbauend auf solchen quantitativ orientierten Szenario-Modellierungen konzentriert sich ein laufendes Projekt, auf das auch der vorgeschlagene Konferenzbeitrag basiert, auf die Fundierung solcher Annahmen und auf den Prozess der Veränderung des Energiesystems aus einer soziotechnischen Perspektive. Sozio-technisch bedeutet dabei, dass verfügbare Technologieoptionen und die Nutzung und Verbreitung neuer Energietechnologien eng mit sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen (wirtschaftliche Entwicklung, demographische Veränderungen, gesellschaftliche Trends) auf der einen und der institutionellen, sozialen und ökonomischen Struktur des Energiesystems auf der anderen Seite zusammenhängen. Der Konferenzbeitrag rückt das Spannungsfeld zwischen der erforderlichen 'Umfassendheit' des prospektiven 'Systemblicks' der TA und der 'Detailliertheit' der Analyse ausgewählter Teilaspekte in den Vordergrund. Aufbauend auf sozio-ökonomische Rahmenszenarien zur Beschreibung möglicher zukünftiger Entwicklungen des österreichischen Energiesystems und einer Nachhaltigkeitsbewertung ausgewählter Szenarien wurden unter Einbeziehung wichtiger Stakeholder und ExpertInnen Kernhandlungsfelder, die als zentral für den weiteren Entwicklungsverlauf des Energiesystems angesehen werden, ausgewählt. Im Konferenzbeitrag sollen die identifizierten Kernhandlungsfelder vorgestellt und Ansatzpunkte für die detaillierte Analyse von Transformationspotenzialen und Entwicklungshindernissen diskutiert werden
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